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Mehr Prävention, weniger Zucker
Internistinnen und Internisten unterstützen Appell zur "Zuckersteuer"
Prävention muss dort ansetzen, wo Risiko entsteht
Am kommenden Freitag entscheidet der Bundesrat über einen von Schleswig-Holstein eingebrachten Antrag zur strengeren Regulierung zuckergesüßter Getränke und des Verkaufs von Energy-Drinks an Minderjährige. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) bewertet den Vorstoß als wichtigen Ansatz zur Eindämmung chronischer Erkrankungen. Deutschlands größte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft unterstützt damit zugleich den Appell, mit dem die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten, der Verbraucherzentrale Bundesverband sowie foodwatch für die Einführung einer "Zuckersteuer" werben. Aus Sicht der Internistinnen und Internisten ist eine Herstellerabgabe auf stark gesüßte Getränke eine wirksame Präventionsmaßnahme.
Süße Getränke sind durch ihren hohen Zucker- und Kaloriengehalt ein wesentlicher Treiber der Entstehung von Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weiteren internistischen Erkrankungen. In Deutschland nehmen Erwachsene im Durchschnitt rund 95 Gramm Zucker pro Tag zu sich - nahezu doppelt so viel wie von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Zuckergesüßte Getränke tragen dabei erheblich zur Gesamtaufnahme bei. "Der Antrag der Landesregierung von Schleswig-Holstein greift somit ein zentrales Problem auf, dessen Auswirkung wir im klinischen Alltag der Inneren Medizin täglich sehen", sagt Professorin Dr. Dr. med. Dagmar Führer-Sakel, Endokrinologin und Diabetologin sowie Vorsitzende der DGIM.
Flüssiger Zucker wird schnell aufgenommen und kann metabolische Fehlsteuerungen im gesamten Organismus auslösen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen prägt ein erhöhter Zuckerkonsum die Stoffwechselprozesse nachhaltig. Bereits heute leben rund 9,3 Millionen Menschen in Deutschland mit Diabetes, mit steigender Tendenz. Auch klassische Risikofaktoren sind weit verbreitet: Mehr als 60 Prozent der Erwachsenen weisen Fettstoffwechselstörungen auf, etwa jeder Dritte leidet an Bluthochdruck.
Eine nach Zuckergehalt gestaffelte Abgabe setzt aus Sicht der DGIM gezielte setzt Anreize zur Reduktion des Zuckergehaltes in den Produkten. "Da freiwillige Selbstverpflichtungen bislang nicht ausgereicht haben, halten wir den Versuch für legitim, gesetzliche Maßnahmen zu ergreifen", so Professor Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM.
Energy Drinks als zusätzliches Risiko für Jugendliche
Auch das in Schleswig-Holsteins Antrag geforderte Mindestalter von 16 Jahren für Energy Drinks hält der Internist und Kardiologe für sinnvoll. "Energy Drinks sind gerade für Jugendliche problematisch, weil sie nicht nur viel Zucker, sondern auch Koffein enthalten und häufig mit anderen Risikofaktoren wie Alkohol und Nikotin kombiniert werden", so der Internist und Kardiologe, der natürliche, ungesüßte Fruchtsäfte oder einfach Wasser empfiehlt.
Hier könne die geplante Zuckersteuer helfen, dass weniger Patientinnen und Patienten an vermeidbaren Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkranken. Internationale Erfahrungen zeigen, dass solche Maßnahmen sowohl die Produktzusammensetzung als auch das Konsumverhalten verändern können. "Wir Internistinnen und Internisten sehen in der Zuckersteuer einen zentralen Baustein wirksamer Prävention", so Führer-Sakel.
Quellen
Menzel, J., Spinka, F., Pie, M.J. et al. Chronic high consumption of energy drinks and cardiovascular risk in adolescents—results of the EDKAR-study. Eur J Epidemiol 40, 1355–1368 (2025). https://doi.org/10.1007/s10654-025-01292-z
Bildunterschrift: Prävention durch weniger Zucker.
Bildquelle: Monika Gause für www.diabsite.de.
