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Übergewicht und Adipositas

Statt Magen-OP effizient abnehmen mit Inkretinmimetika

6. Deutsche Hormonwoche der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) vom 18. bis 25. September 2021

Inkretinmimetika sind beim Abnehmen ähnlich effektiv wie eine bariatrische Operation, bei der Magen und/oder Darm chirurgisch verkleinert werden. Bei diesen Arzneistoffen, die auch als GLP-1-Rezeptoragonisten bezeichnet werden, handelt es sich um synthetisch nachgebildete Darmhormone. Bei gleichzeitiger Diät und vermehrter körperlicher Bewegung konnten etwa mit Semaglutid Gewichtsreduktionen bis zu 25 Prozent des Körpergewichts erreicht werden.

Dies zeigen internationale Studien aus dem STEP-Programm an übergewichtigen Patientinnen und Patienten mit und ohne Diabetes Typ 2 [1,2]. Über den aktuellen Stand der Therapien mit Inkretinmimetika und inwiefern sich diese neuen Arzneimittel zum Abnehmen von hartnäckigem Übergewicht eignen diskutieren Experten auf der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) am 14. September 2021 im Vorfeld der von Professor Dr. Jan Tuckermann (Vizepräsident) aus Ulm organisierten Hormonwoche (18. bis 25. September 2021).

Laut Robert Koch-Institut sind zwei Drittel der Männer (67 Prozent) und die Hälfte der Frauen (53 Prozent) in Deutschland übergewichtig (BMI von 25-30 kg/m2)[3] Ein Viertel der Erwachsenen (23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen) sind adipös (BMI von 30 kg/m2 oder mehr). Adipositas kann Insulinresistenz, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen nach sich ziehen.

Bei der medikamentösen Therapie der Adipositas sind die Möglichkeiten bislang begrenzt. Zudem weisen viele der verabreichten Substanzen gefährliche Nebenwirkungen auf: "Amphetamine wurden wegen des Suchtrisikos vom Markt genommen. Dies gilt auch für Fenfluramin, einen weiteren Amphetamin-ähnlichen Wirkstoff, der den Hunger unterdrückt, wegen einer herzschädigenden Wirkung und zuletzt auch für den Appetitzügler Lorcaserin wegen eines erhöhten Krebsrisikos", nennt Professor Dr. med. Jochen Seufert, Endokrinologe und Diabetologe vom Universitätsklinikum Freiburg und DGE-Vorstandsmitglied, Beispiele. "Bariatrische Eingriffe als bisher letzte Option sind zwar sehr effektiv", so der DGE-Kongresspräsident 2022. Ein großer Nachteil sei jedoch ihre Endgültigkeit. "Wir können sie nicht mehr rückgängig machen".

Für die Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 werden seit vielen Jahren Inkretinmimetika eingesetzt. Die dem Darmhormon Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) nachgebildeten sogenannten GLP1-Rezeptoragonisten imitieren die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1. Sie senken den Blutzucker bei Typ 2 Diabetes. Darüber hinaus hemmen sie die Magenentleerung und vermitteln ein Sättigungsgefühl. GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) sind synthetisch hergestellte GLP-1 ähnliche Moleküle mit längerer biologischer Wirkung. Sie müssen je nach Darreichungsform einmal täglich oder einmal wöchentlich gespritzt werden. GLP-1-RA haben bei Diabetes Typ 2 einen Rückgang von Körpergewicht und Blutdruck gezeigt. Neben den GLP-1-RA sind sogenannte "Doppel-" und "Dreifachagonisten" aus GLP-1-Analoga, Gastric Inhibitory Polypeptide (GIP) und Glucagon in klinischer Entwicklung für die Diabetes- und Adipositastherapie.

"Inkretinmimetika sind hocheffektive und dabei recht gut verträgliche Arzneistoffe zur Unterstützung der Gewichtsreduktion bei Menschen, die an Übergewicht und Adipositas sowie den entsprechenden schädlichen Auswirkungen auf den Stoffwechsel leiden", fasst Seufert zusammen. "Die hier erzielbaren Gewichtsabnahmen und Stoffwechselnormalisierungen kommen in den Bereich der Wirksamkeit der bariatrischen Chirurgie". Als nachteilig sieht er, dass sich der Gewichtsverlust nach etwa sechs bis zwölf Monaten auf einem Plateau einstelle - sowie den andauernden Therapiebedarf. "Dies kennen wir jedoch auch von anderen Adipositastherapien", so Seufert.

"Trotz der vielversprechenden Therapieerfolge mit Inkretinmimetika sollte die Prävention von Adipositas weiterhin im Fokus stehen", kommentiert DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Stephan Petersenn von der ENDOC Praxis für Endokrinologie und Andrologie in Hamburg. "Dies ist auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Auch ist zu bedenken, dass die medikamentöse Therapie der Adipositas keine Kassenleistung darstellt und insbesondere die Behandlung mit Inkretinmimetika mit erheblichen Kosten verbunden ist."

Neuere Ansätze zur weiteren Verbesserung von Inkretinmimetika, etwa die sogenannten in Inkretin-Co- und Triple-Agonisten und die Frage, für wen sie sich unter welchen Bedingungen eignen, sind Themen der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e. V. (DGE) am 14. September 2021 im Vorfeld der Hormonwoche (18. bis 25. September 2021).

Quellen

  1. Wilding JPH. et al.: Once-weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity. N Engl J Med 2021; 384: 989-1002, DOI: 10.1056/NEJMoa2032183

  2. Davies M. et al.: Semaglutide 2,4 mg once a week in adults with overweight or obesity, and type 2 diabetes (STEP 2): a randomised, double-blind, double-dummy, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet 2021; 397: 971-984, DOI: 10.1016/S0140-6736(21)00213-0

  3. Übergewicht und Adipositas

zuletzt bearbeitet: 24.08.2021 nach oben

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