Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2025 > 251222
Festtage: Bei Herzinfarkt-Warnzeichen sofort Notruf 112 absetzen
Das gilt besonders für Menschen mit Diabetes und anderen Risikofaktoren
Mehrere Feiertage zwischen Heiligabend und Neujahr können dazu führen, dass Menschen trotz typischer Herzinfarkt-Warnzeichen zögern, den Rettungsdienst über den Notruf 112 zu alarmieren. Stattdessen wird "bis morgen" oder bis nach den Feiertagen gewartet. "Das endet beim Herzinfarkt häufig tödlich", warnt der Kardiologe Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. Zeitverluste beim Herzinfarkt durch zögerliches Verhalten der Betroffenen und Angehörigen sind so fatal, weil der Infarkt im Herzmuskelareal des verschlossenen Herzkranzgefäßes zum Absterben von Herzmuskelgewebe führt.
"Wenn der Infarkt nicht unverzüglich behandelt wird und viel Herzmuskelgewebe zerstört ist, droht eine ausgeprägte Herzschwäche. Deshalb gilt auch beim Herzinfarkt 'Time is Muscle'", so Voigtländer. Besonders aufmerksam sollten Patienten mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sein: Insbesondere Raucher, Patienten mit Arteriosklerose wie koronare Herzkrankheit (KHK) oder periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), mit Fettstoffwechselstörungen (hohes Cholesterin), Diabetes, Fettleibigkeit und Bluthochdruck. Die Herzinfarkt-Warnzeichen, auf die jeder achten sollte, erläutert die Herzstiftung unter https://herzstiftung.de/herzinfarkt-anzeichen
Herzinfarkt birgt auch Gefahr für Herzstillstand
Zum anderen kann der Infarkt jederzeit in bösartige Herzrhythmusstörungen übergehen. Dieses Kammerflimmern (über 300 Schläge/Minute) führt innerhalb weniger Sekunden zum Herzstillstand. "Herzinfarkte ereignen sich meistens zu Hause, nur ein über den Notruf 112 herbeigerufenes Rettungsteam mit einem externen Defibrillator kann dann das flimmernde Herz wieder in seinen normalen Rhythmus bringen. Der Patient muss anschließend sofort in die nächstgelegene Klinik zur Infarktversorgung", erklärt der Herzstiftungs-Vorsitzende. Je schneller der Herzinfarkt erkannt und behandelt wird, desto höher sind die Chancen, keine schwerwiegenden Folgeschäden davonzutragen oder nicht daran zu sterben. Beim Herzinfarkt sind typische Beschwerden:
- plötzlich einsetzende starke Schmerzen, die länger als fünf Minuten in Ruhe anhalten und die überwiegend im Brustkorb oder häufig auch ausschließlich hinter dem Brustbein auftreten
- Schmerzen, die in Körperteile wie Arme (meist links), Oberbauch, Rücken, Hals, Kiefer oder Schulterblätter ausstrahlen
- ein massives Engegefühl, heftiger Druck oder ein sehr starkes Einschnürungsgefühl im Brustkorb ("Elefant auf der Brust")
- heftiges Brennen im Brustkorb. (Achtung: Verwechslungsgefahr mit Sodbrennen!)
- Vor allem Frauen verspüren eher ein Engegefühl und der Brustschmerz strahlt vorrangig in den Rücken und den Oberbauch aus (Achtung: Verwechslungsgefahr mit Magenschmerzen!)
Notfallbereitschaft rund um die Uhr auch an Weihnachten und Neujahr
Rettungsdienstleitstellen, Herznotfallambulanzen, die sogenannten Chest Pain Units (CPU), und Notaufnahmen der Kliniken stehen auch an Feiertagen, in der Zeit zwischen den Jahren wie auch am Wochenende oder nachts rund um die Uhr bereit. "Deswegen besteht auch an den Festtagen überhaupt kein Grund zur Scheu vor der 112", versichert Voigtländer, Ärztlicher Direktor der Frankfurter Diakonie Kliniken. Infos zur CPU: https://herzstiftung.de/herznotfallambulanz-suche
"Christmas Holiday Effect": Mehr Herzinfarkte an Weihnachten?
Dass es an Weihnachten vermehrt zu Herz-Kreislauf-Komplikationen wie Herzinfarkt kommen kann, darauf deuten Ergebnisse mehrerer Studien hin ([1, 2]). In den USA spricht man hier vom sogenannten "Christmas Holiday Effect" vom 25. Dezember bis 7. Januar), der auch für Länder mit wärmerem Klima an Weihnachten (Neuseeland) bestätigt werden konnte.[2] Die Ergebnisse einer schwedischen Studie von 2018 - gestützt auf Registerdaten von über 283.000 Klinikaufnahmen wegen Herzinfarkts - lassen auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko an Heiligabend und an Neujahr besonders bei Menschen, die über 75 oder bereits chronisch krank sind, schließen. Besonders anfällig sind dieser Studie zufolge Patienten mit Risikofaktoren wie beispielsweise Diabetes und KHK, weil sie auf externe Auslöser (Trigger) für einen Infarkt wie Stress (Ausschüttung von Stresshormonen) reagieren. Außerdem kann es zu einem Zusammenspiel von mehreren ungünstigen Faktoren für ein vorbelastetes Herz kommen: die Winterkälte, Vorbereitungsstress und ein Abweichen von Lebensstilgewohnheiten wie ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung sowie Verzicht auf Alkohol oder moderater Alkoholkonsum. "Ballen sich diese Faktoren in nur wenigen Tagen bei einer Person mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, kann dies Herz und die Gefäße zusätzlich belasten", erklärt der Herzspezialist Voigtländer. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt Herzpatienten, sich gerade an Weihnachten mal aus dem Trubel auszuklinken. "Dabei kann ein Spaziergang im Freien oder eine Entspannungsphase mit gezielten Entspannungsübungen helfen." Mehr zum Herzschutz ganz in Ruhe im Podcast "Ohne Stress geht's auch": https://herzstiftung.de/podcast-stress
Holiday-Heart-Syndrom: Vorsicht bei Alkohol
Die längere Feiertagsphase von Weihnachten bis Neujahr erhöht auch das Risiko für das sogenannte "Holiday-Heart-Syndrom". Darunter versteht man eine erhöhte Aufnahme von Alkohol innerhalb kurzer Zeit - gehäuft an Feiertagen oder im Urlaub -, was sich nicht nur auf das Gehirn auswirkt, sondern auch das Herz beeinflusst. Vorübergehende Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern können auftreten, wie jüngst die MunichBREW II-Studie[3] zeigte. Allerdings können die Herzrhythmusstörungen auch noch Stunden nach dem Trinken auftreten. Besonders Menschen mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern, also Personen über 65 Jahre oder mit familiärer Vorbelastung, sollten bei Alkoholkonsum besonders vorsichtig sein und auf nicht-alkoholische Getränke ausweichen. Weitere Infos: https://herzstiftung.de/vorhofflimmern-alkohol
Notruf 112 auch bei anderen Notfällen wie Schlaganfall, bösartigen Herzrhythmusstörungen, entgleister Herzschwäche
Nicht nur der akute Herzinfarkt, sondern auch andere lebensbedrohliche Komplikationen wie bösartige Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall, plötzlicher Bluthochdruck und eine entgleiste Herzschwäche sind "keine aufschiebbaren Krankheitsfälle", sondern "erfordern eine sofortige notfallmedizinische Versorgung durch den Notarzt und die Klinik", wie der Herzstiftungs-Vorsitzende Prof. Voigtländer betont. Infos zu den Warnzeichen dieser Komplikationen: https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles…
Herzinfarkt-Anzeichen: https://herzstiftung.de/herzinfarkt-anzeichen
Service
Notfall-Set: Ein Notfallset mit dem Ratgeber "Was tun im Notfall?" und zwei Notfallkärtchen fürs Portemonnaie mit Darstellungen der Herzinfarkt-Alarmzeichen und Erläuterungen zur Laien-Reanimation bietet die Herzstiftung kostenfrei unter https://herzstiftung.de/herznotfall-set an
Herzgesunde Rezepte an den Festtagen mit dem neuen Kochbuch "Kochen fürs Herz": https://herzstiftung.de/kochbuch
Quellen
Literatur
Mohammad MA et al., Christmas, national holidays, sport events, and time factors as triggers of acute myocardial infarction: SWEDEHEART observational study 1998-2013 BMJ 2018;363:k4811 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.k481
Knight J. et al., Revisiting the "Christmas Holiday Effect" in the Southern Hemisphere, J Am Heart Assoc. 2016bDec 22;5(12):e005098. doi: 10.1161/JAHA.116.005098
Acute alcohol consumption and arrhythmias in young adults: the MunichBREW II study, European Heart Journal, Oktober 2024, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae695
Bildunterschrift: Notruf 112
Bildquelle: Monika Gause für www.diabsite.de.
