Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2022 > 220405

Weltgesundheitstag am 7. April: "Unser Planet, unsere Gesundheit"

Klimakrise ist auch Gesundheitskrise: Klimaschutz ist auch Diabetesprävention!

Jährlich erkranken etwa 600.000 Menschen in Deutschland neu an Diabetes, die meisten an Typ 2. Neben einer genetischen Veranlagung gelten lebensstilbedingte Faktoren wie Bewegungsmangel, Fehlernährung und daraus entstehendes Übergewicht als Hauptursachen für die Entwicklung der Stoffwechselerkrankung. Zunehmend stehen jedoch auch Faktoren wie Luftverschmutzung und Lärmbelastung als Mitauslöser von Typ-2-Diabetes in Verdacht. Darüber hinaus belasten schon gegenwärtig durch den Klimawandel bedingte Veränderungen wie extreme Wetterlagen die Gesundheit von Menschen mit Diabetes. So fördern zum Beispiel Hitzewellen und starke Temperaturumschwünge kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte und Schlaganfälle. Darauf macht die gemeinnützige Gesundheitsorganisation diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April 2022 aufmerksam. Der Aktionstag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht in diesem Jahr unter dem Motto "Our Planet, our health"/"Unser Planet, unsere Gesundheit".

Laut dem Statistischen Bundesamt wurden 2021 in Deutschland pro Kopf 55 Kilogramm Fleisch verzehrt. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach forderte Ende Februar aus klimaschutz-, aber auch aus gesundheitlichen Gründen eine weltweite Verringerung des Fleischverzehrs um 80 Prozent. "Fleischreiche Ernährung, insbesondere rotes Fleisch, kann das Risiko für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes begünstigen. Ein geringerer Konsum von rotem Fleisch und Wurst kann aktiv dazu beitragen, Folgeerkrankungen wie Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen positiv zu beeinflussen. Werden Wurst sowie geräucherte, salz- und fettreiche Fleischprodukte reduziert, können sich zudem auch erhöhte Blutdruck- und Blutfettspiegelwerte verbessern", sagt Professor Dr. med. Diana Rubin vom Vivantes Klinikum in Berlin, Vorsitzende des Ausschusses Ernährung der Deutschen Diabetes Gesellschaft e. V. (DDG). Sie betont zudem: "Wir wissen mittlerweile, dass eine Ernährungsform, die reich an pflanzlichen Lebensmitteln ist, vor zahlreichen Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt."

Zunehmend werden regionale städtebauliche Lebensbedingungen als Risikofaktoren für die Entstehung von Diabetes Typ 2 erkannt. Eine bewegungsfreundliche Umgebung mit Grünflächen sowie Fußgänger- und Radwegen fördert die Aktivität im Alltag. Fehlt eine solche Infrastruktur, steigen Menschen lieber ins Auto. Auch Lärmbelastung und verkehrsbedingte Luftschadstoffe tragen zur Diabetesentstehung bei. Eine Meta-Analyse ergab, dass Menschen, die in Städten leben, ein um 40 Prozent höheres Risiko für Typ-2-Diabetes haben als Personen, die auf dem Land leben. "International zeigen vermehrt Studien, dass Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickstoffoxide unter anderem mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert sind", sagt diabetesDE-Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Thomas Haak, Chefarzt am Diabetes Zentrum Mergentheim.

Epidemiologische Studien haben zudem Zusammenhänge zwischen einer chronischen Lärmexposition und Beeinträchtigungen des Wohlbefindens, Einschränkungen kognitiver Leistungen, Schlafstörungen, psychischen Erkrankungen sowie insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefunden. Untersuchungen, die einen Zusammenhang zwischen gestörtem Tiefschlaf sowie einer erhöhten Ausschüttung von Glukokortikoiden mit einer gestörten Glukoseregulation, einer gehemmten Insulinsekretion und einer herabgesetzten Insulinempfindlichkeit in Leber, Skelettmuskulatur und Fettgewebe zeigten, lieferten Informationen über mögliche biologische Mechanismen. "Demnach könnten insbesondere Schlafstörungen und Stressreaktionen den Zusammenhang zwischen Lärm und der Entstehung beziehungsweise Verschlechterung von Diabetes Typ 2 erklären", erläutert Professor Haak. Diabetes geht auch mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen einher. Der Diabetologe erklärt: "In den letzten Jahren beobachten wir immer wieder das Auftreten von Hitzewellen und darauffolgende plötzliche Temperaturstürze. Solche Wetterextreme fördern Schlaganfälle und Herzinfarkte." Auch dies belaste Menschen mit Diabetes zunehmend.

Anlässlich des Gründungsdatums der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 1948 findet jährlich am 7. April der Weltgesundheitstag statt. Sie legt jährlich ein neues Gesundheitsthema von globaler Relevanz für den Weltgesundheitstag fest. Ziel dabei ist es, dieses aus der Sicht der WHO vorrangige Gesundheitsproblem ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit zu rücken.

Mehr Informationen im Internet:

Quellen

  • Kramer U et al., Traffic-related air pollution and incident type 2 diabetes: results from the SALIA cohort study. Environ Health Perspect, 2010. 118 (9): p. 1273-9.

  • Park SK, Wang W, Ambient Air Pollution and Type 2 Diabetes: A Systematic Review of Epidemiologic Research. Curr Environ Health Rep, 2014. 1 (3): p. 275-286.

  • Eze IC et al., Association between ambient air pollution and diabetes mellitus in Europe and North America: systematic review and meta-analysis. Environ Health Perspect, 2015. 123 (5): p. 381-9.

  • Tamayo T et al., Is particle pollution in outdoor air associated with metabolic control in type 2 diabetes? PLoS One, 2014. 9 (3): p. e91639.

  • Heidemann C et al., Residential traffic and incidence of Type 2 diabetes: the German Health Interview and Examination Surveys. Diabetic Medicine, 2014. 31 (10): p. 1269-1276.

  • Wolf, K. et al. (2016). Association between long-term exposure to air pollution and biomarkers related to insulin resistance, subclinical inflammation and adipokines. Diabetes, doi: 10.2337/db15-1567

zuletzt bearbeitet: 05.04.2022 nach oben

Untersttzer der DiabSite:

Professor Dr. Peter Bottermann

Prof. Peter Bottermann

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.