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Covid-19-Impfungen als Ausweg aus der Krise

Sieg über die Pandemie kann nur mit weltweiter Solidarität gelingen

In einer nie dagewesenen Kraftanstrengung ist es der globalen Forschergemeinde gelungen, innerhalb nur eines Jahres eine ganze Reihe von Impfstoffen und Impfstoffkandidaten gegen das SARS-CoV-2-Virus zu entwickeln; drei dieser Impfstoffe haben nach umfangreichen Tests eine EU-Zulassung erhalten, drei weitere werden vermutlich noch in der ersten Jahreshälfte 2021 folgen. Wie diese Impfstoffe wirken, wie sicher sie sind und wie sogenannte Escape-Mutationen über den Impferfolg mitentscheiden können, werden Experten des CRM Centrum für Reisemedizin auf der Pressekonferenz im Vorfeld des 22. Forums Reisen und Gesundheit am 12. März diskutieren. Auch der Aspekt der globalen Impfstoffverteilung wird zur Sprache kommen - denn in einer vernetzten und mobilen Welt ist eine Seuche erst dann besiegt, wenn sie überall besiegt ist.

Impfstoffe auf mRNA-Basis, vektorbasierte Impfstoffe, Vakzine, die mit Virusproteinen arbeiten, und abgeschwächte Lebendimpfstoffe - es sind ganz unterschiedliche Ansätze, mit denen Menschen weltweit gegen das SARS-CoV-2-Virus immunisiert werden sollen. "Unabhängig vom Wirkmechanismus gilt: Vakzine, die eine EU-Zulassung erhalten haben, sind sowohl wirksam, als auch sicher", sagt Dr. med. Arne Kroidl, Infektiologe und Leiter der AG HIV am Institut für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum der Universität München, sowie Leitender Prüfarzt am Standort München der CureVac-COVID-19-Impfstudien. Berichte über Nebenwirkungen beschränkten sich bislang meist auf lokale Schmerzen an der Impfstelle, Kopf- und Gliederschmerzen, leichtes Fieber und Müdigkeit. Diese könnten durchaus als sehr beeinträchtigend erlebt werden, hielten in der Regel jedoch nur kurz an.

Während die Frage nach dem individuellen Impfschutz - also der Zuverlässigkeit, mit der der Geimpfte selbst vor einer COVID-19-Erkrankung geschützt ist - bereits Gegenstand der Zulassungsstudien war, erweist sich erst bei breiterer Anwendung, ob die Impfung auch die Übertragung von Viren effektiv verringert. Erste Ergebnisse aus Israel, wo bereits rund 80 Prozent der über 60-Jährigen mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer geimpft wurden, zeigen nun, dass Geimpfte nicht nur vor einer Erkrankung geschützt sind, sondern auch weniger Viren ausscheiden und die Infektion somit auch nicht so leicht weitergeben können. Auch der Schutz vor der zunächst in England nachgewiesenen Virusvariante B1.1.7 sei sehr gut, sagt Kroidl. Gegen die südafrikanische und die brasilianische Variante schienen dagegen nicht alle in der EU zugelassenen Impfstoffe gleich effektiv zu wirken.

Gerade angesichts immer neu auftretender SARS-CoV-2-Varianten gleicht der Kampf gegen die Pandemie einem Wettlauf: Escape-Mutanten, die die Wirkung bisheriger Impfstoffe unterlaufen, bedrohen den Erfolg der Immunisierung; und je schleppender die Immunisierung verläuft, und je höher die Infektionszahlen sind, desto größer ist wiederum das Risiko, dass neue Varianten entstehen. "Hier könnte es sich als sinnvoll erweisen, bei der Erst- und der Zweitimpfung unterschiedliche Vakzine einzusetzen", skizziert Kroidl einen aktuellen Schwerpunkt der Impfstoffforschung. Damit könne möglicherweise die Stärke und Dauer der Impfwirkung verbessert, vor allem aber ein breiterer Impfschutz gegen mehrere Varianten erzielt werden. Auch Auffrischimpfungen mit an neue Varianten angepassten Impfstoffen seien denkbar.

Bereits jetzt ist jedoch klar, dass der Wettlauf mit dem Virus nur gewonnen werden kann, wenn alle Länder weltweit zusammenarbeiten. "Dass Krankheiten, die in westlichen Industrieländern als besiegt galten, durch Tourismus, Handelsverkehr oder Migration wieder zurückkommen können, hat sich bereits am Beispiel der Tuberkulose gezeigt", sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM. Auch der Polio-Erreger werde immer wieder in zuvor poliofreie Länder eingetragen. Um die COVID-19-Pandemie dauerhaft in den Griff zu bekommen und die Gefahr von Mutationen zu minimieren, sei es daher wichtig, alle Länder weltweit mit Impfstoff zu versorgen. Diesem Ziel hat sich die COVAX-Initiative der WHO verschrieben, die die Industrienationen dazu aufruft, Impfstoffe, Materialien und technisches Knowhow mit ärmeren Ländern zu teilen. Noch in den ersten 100 Tagen des Jahres soll so jedes Land der Welt in die Lage versetzt werden, mit den lebensrettenden Impfungen zumindest zu beginnen.

Über das CRM

Das CRM Centrum für Reisemedizin trägt als unabhängiges, anerkanntes Fachinstitut Informationen über Infektions- und andere relevante Gesundheitsrisiken aus aller Welt zusammen und wertet sie aus. Ärzte und Apotheker können auf die daraus entwickelten Fachinformationsdienste für ihre reisemedizinische Gesundheitsberatung zurückgreifen- etwa auf das jährlich erscheinende Standardwerk "CRM Handbuch Reisemedizin". Das CRM ist außerdem der führende Anbieter von Seminaren zur Reise- und Tropenmedizin, die von Landesärzte- und Apothekerkammern als Fortbildungsmaßnahmen anerkannt und mit Punkten bewertet werden. Das CRM Centrum für Reisemedizin wurde 1988 gegründet und gehört seit 2005 zur Thieme Verlagsgruppe.

zuletzt bearbeitet: 11.03.2021 nach oben

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