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Kater Tobi hat Diabetes

Kater entdeckt Diabetes-Portal DiabSite
Webkater Dimi
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Jeder Mensch mit Diabetes hat seine eigene Geschichte: Wie war das, als er die Diagnose erfahren hat? Wie hat er sich mit der chronischen Stoffwechselerkrankung arrangiert und sie in seinen Alltag eingebaut? DiabSite-Leser kennen oft viele Diabetiker, die ihnen ihre Geschichten erzählt haben. Aber wer kann von sich behaupten, dass er einen Kater mit Diabetes Diabetes - oder gar seine Geschichte kennt? Sie, liebe DiabSite-Leser/innen, gehören ab sofort dazu! Sie werden zum auserwählten Kreis der Kenner gehören und wissen, wie sich ein Stubentiger fühlt, wenn er Diabetiker wird. In unserer neuen Diab-Story klärt Kater Tobi Sie gründlich auf und gibt Ihnen tiefe Einblicke in seinen Werdegang.

Hallo Ihr Süßen,

mein Name ist Tobi und ich bin noch relativ neu in der Diabetiker-Szene.

Vor einigen Tagen fiel mir am Bildschirm das Diabetes-Portal DiabSite ins Auge. Da dachte ich, dass ich als insulinpflichtiger Diabetiker in diesem erlauchten Kreis doch eigentlich gar nicht so fehl am Platz bin, oder?

Hinter mir liegt eine harte Zeit, denn noch vor einem halben Jahr ging es mir überhaupt nicht gut. Ich hatte ständig solchen Durst, dass ich sogar das faulige Wasser aus den Blumenvasen gesoffen habe. Und mein Dosenöffner, der sich Manfred nennt, kam mit dem Saubermachen meines Klos kaum noch nach, weil das ganze Wasser immer wieder raus wollte. Außerdem hatte ich kaum noch Appetit. Weder auf Mäuse (nicht mal mehr in meinen Träumen!), noch auf das leckere Trocken- und Nassfutter, von dem ich früher nie genug kriegen konnte. Um dieser miesen Situation noch eins drauf zu setzen, sah mein einstmals so seidig glänzendes Fell aus wie von den Motten zerfressen.

Vor vier Monaten hat mich Manfred dann kurzerhand in so einen tragbaren Katzenkorb gesetzt. Ich war viel zu müde, um dagegen lautstark zu protestieren und konnte ihm deshalb nur einen ganz kleinen Kratzer an der Hand verpassen. Wir sind zu einem Tierarzt gefahren. Dort musste ich Schlimmes erdulden, denn man hat mir einfach ins Ohr gepiekt, einen Tropfen Blut rausgequetscht und mir danach zu allem Überfluss auch noch eine Spritze in die Flanke gegeben. Ich war vollkommen geschafft.

Auch mein Dosenöffner war hinterher ganz schön fertig, denn nun wussten wir, dass ich Diabetes habe (natürlich Typ 1, weil ich ja noch so jung bin und die Waage bei meinem durchtrainierten Körper kein Gramm Übergewicht anzeigt). Das heißt jetzt also, dass ich alle zwölf Stunden eine Spritze reingedonnert kriege. Außerdem wird dreimal am Tag - vor jedem Fressen - zum Messen des Blutzuckers immer wieder mein empfindliches Öhrchen malträtiert. Je nach der Höhe des Wertes wird dann dieses komische Insulin angepasst. Im Fressnapf fand ich nur noch ekliges SPEZIALFUTTER.

Zuerst habe ich mich natürlich gegen all diese unsinnigen Strapazen gesträubt. So etwas macht man einfach nicht mit einem so liebenswerten Kater! Aber dann musste ich bei aller Gegenwehr doch nach und nach feststellen, dass es mir dabei eigentlich immer besser ging. Ich fühlte mich so kräftig und vital wie schon lange nicht mehr. Auch der alte Glanz in meinem wunderschönen Fell kam wieder zurück.

Heute nehme ich das alles ganz gelassen hin. Selbst mein Diabetologe (na ja, eigentlich nur ein ganz normaler Tierarzt) findet meine beispiellose Disziplin - die eben nur hoch intelligenten Katzen zu Eigen ist - absolut lobenswert!

Entwürdigend finde ich es nur, wenn mein Dosenöffner nach einem hohen Wert meint, ich hätte mir irgendwo in der Nachbarschaft eine unerlaubte Zweitration erbettelt und könnte deshalb Aceton im Urin haben! Dann lauert er mir nämlich an meinem Katzenklo auf und hält mir eine - ich wage es kaum auszusprechen - SCHÖPFKELLE unter, in die ich pinkeln soll (man muss sich das mal umgekehrt vorstellen!). Das macht er nur, damit er dann in Ruhe seinen Aceton-Teststreifen reinhalten und mir hinterher noch eine Extra-Spritze verpassen kann.

Aber ich bin ja, wie bereits erwähnt, nicht nur außergewöhnlich intelligent, sondern auch ebenso gutmütig und geduldig, sodass ich auch diese Demütigung mit einer geradezu stoischen Ruhe ertragen kann.

Dosenöffner Manfred holt sich seine Ratschläge immer unter www.katzendiabetes.info, aber auch ich hätte gerne ein bisschen Erfahrungsaustausch. Weiß leider immer noch nicht genau, wie ich eine ausgewachsene Maus berechnen muss. Und was ist, wenn die Maus vorher beispielsweise Grießbrei gefressen hat? Und wie sieht es in Zukunft zum Beispiel mit einer wettertauglichen Insulin-Pumpe für Katzen aus?

Vielleicht finden sich hier ja ein paar interessierte Kater, die mit mir zusammen eine Selbsthilfegruppe gründen wollen - wobei ich natürlich auch nichts gegen ein paar süße Miezen hätte!

Hoffentlich bis bald,

Euer Tobi

Grit Ott
Autorin und Typ-1-Diabetikerin
Website: www.grit-ott.com

zuletzt bearbeitet: 04.11.2016 nach oben

Bildunterschrift: Das Bild von Tobi haben wir aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht. Webkater Dimi ist eingesprungen und lag uns gerne Modell.
Bildquelle: Diabetes-Portal DiabSite

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