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Behandlung der Nierenschäden bei Diabetes

Der fortschreitende Verlust der Nierenfunktion wird meist durch die Ausscheidung von Eiweißkörpern (Albuminen) im Urin erkannt. Die gesunden Nieren halten das Eiweiß im Blut zurück. Sind sie geschädigt, wird anfangs in kleinen Mengen von etwa 20 bis 200 mg Eiweiß ausgeschieden (=Mikroalbuminurie).

Vieles können Diabetiker mit Nierenschädigungen selbst zur Behandlung beitragen. Die wichtigsten Ziele sind eine optimale Blutdruck- und Blutzuckereinstellung. Diabetiker unterstützen eine medikamentöse Therapie durch regelmäßige, das heißt tägliche Bewegung an frischer Luft. Übergewichtige Menschen mit Diabetes sollten ihr Gewicht reduzieren und Raucher dringend eine Rauchentwöhnung einleiten. Allen Diabetikern mit Nierenbeteiligung wird empfohlen, bei der Ernährung auf einen normalen Einweißgehalt (ca. 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht und Tag) zu achten.

Experten raten Diabetikern mit Nierenbeteiligung und hohem Blutdruck zudem, an speziellen Schulungsprogrammen teilzunehmen. Die Absenkung des Blutdrucks mit Medikamenten wird durch eine salzarme Kost optimal unterstützt. Die optimale Blutdruckeinstellung ist wichtig. Denn je niedriger der Blutdruck, umso seltener kommt es zum chronischen Nierenversagen.

Der Blutdruck eines Typ-2-Diabetikers mit Nierenbeteiligung sollte unter 120 mg Quecksilber systolisch (oberer Wert) liegen. Denn nur dann kann die Nierenschädigung in ihrem Fortschreiten aufgehalten werden. Für optimale Blutdruckwerte wird eine salzarme und kaliumreiche Kost meist mit Medikamenten ergänzt. Dem Arzt stehen für die Blutdrucksenkung viele Präparate mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zur Verfügung, die allgemein gut vertragen werden. Häufig werden sogar mehrere Medikamente kombiniert. Nehmen Sie diese Medikamente unbedingt genau nach Anweisung des Arztes ein. Denn die Tabletten helfen nur, wenn sie wirklich täglich und sehr regelmäßig genommen werden!

Dialyse und Transplantation

Jährlich kommt es trotz guter Untersuchungs- und Therapiemöglichkeiten bei etwa 8.000 Diabetikern zu einem chronischen Nierenversagen, der so genannten terminalen Niereninsuffizienz. In diesen Fällen stehen folgende Therapieformen zur Verfügung: Die Hämo- oder Peritonealdialyse und die Nieren- beziehungsweise kombinierte Nieren- und Pankreastransplantation.

Hämodialyse

Die meisten Patienten mit Nierenversagen erhalten in der Regel dreimal in der Woche im Dialysezentrum eine künstliche "Blutwäsche" an der Dialyse, genauer Hämodialyse. Hier werden Giftstoffe und Flüssigkeit außerhalb des Körpers in einer Dialysemaschine entfernt. Dazu wird der Patient über eine speziell für diese Behandlung vorbereitete große Vene mit der Dialysemaschine verbunden und das Blut in den Dialyseapparat gepumpt.

Die Nierenersatztherapie an der Hämodialyse bedeutet für den Patienten, dass er dreimal in der Woche ins Dialysezentrum fahren und inklusive Anfahrt, Anschluss an die Dialyse und Blutwäsche oft sechs Stunden Zeit aufwenden muss. Viele Dialysepatienten können folglich ihren Beruf nicht mehr ausüben und selbst die Pflege der sozialen Kontakte fällt schwerer als vor der Dialysebehandlung.

Peritonealdialyse

Seltener wird die Bauchfell- oder Peritonealdialyse als Nierenersatztherapie eingesetzt. Dabei funktioniert das Bauchfell des Patienten als Dialysefilter. Über einen Katheter in der Bauchhöhle kann der Patient nach guter Schulung durch das Dialyseteam selbständig eine Dialyseflüssigkeit in die Bauchhöhle füllen. Diese nimmt die giftigen Substanzen und überschüssiges Wasser aus dem Blut auf und entgiftet den Körper. Etwa alle vier Stunden lässt der Patient die verbrauchte Dialyseflüssigkeit ab und ersetzt sie durch eine frische.

Dieses Verfahren stellt eine sehr natürliche Dialyse dar, weil sie den Körper durch die kontinuierliche Entgiftung weniger belastet. Außerdem brauchen die Patienten nur ein- bis zweimal im Monat zur Kontrolle ins Dialysezentrum, und vor allem jüngere Patienten können oft ihren Beruf weiterhin ausüben.

Gut, dass es heute Therapieformen für Menschen mit chronischem Nierenversagen gibt. Dennoch bedeutet jede Nierenersatztherapie für den Patienten immer einen Verlust an Lebensqualität!

Nierentransplantation und kombinierte Nieren- und Pankreastransplantation

Die Nierentransplantation, manchmal kombiniert mit der Transplantation der Pankreas (Bauchspeicheldrüse), ist sicherlich die beste Möglichkeit der Therapie bei chronischem Nierenversagen. Doch nicht alle dialysepflichtigen Diabetiker kommen für eine Transplantation in Frage, und die Zahl der Spenderorgane ist begrenzt. Intensive Untersuchungen müssen bestätigen, dass gute Chancen für eine erfolgreiche Transplantation gegeben sind.

Diabetiker mit schweren Spätkomplikationen, zum Beispiel am Herzen, würden die erforderliche Operation kaum verkraften. Zudem erfordert die Transplantation immer die Einnahme von stark wirksamen Medikamenten, die das körpereigene Immunsystem schwächen.

Die Transplantation der Pankreas ist auch deshalb problematisch, weil die Bauchspeicheldrüse außer Insulin noch andere Substanzen, wie Glucagon und Verdauungsenzyme produziert. Da bei einer Transplantation, wegen der Gefahr der Abstoßung von Spenderorganen, die eigenen Organe im Körper verbleiben, müssen die Verdauungsenzyme dann über den Darm oder über die Blase abgeleitet werden. Unter anderem aus diesen Gründen wird die kombinierte Transplantation bisher nur selten durchgeführt. Aber die Ergebnisse der bisher durchgeführten Doppeltransplantationen sind viel versprechend.

Die Therapieformen für Diabetiker mit Nierenschäden oder einem chronischen Nierenversagen sind vielfältig. Dennoch ist und bleibt das Motto des Weltdiabetestages 2003 "Diabetes kann Ihre Nieren kosten" eine Mahnung, alles zu unternehmen, dass es gar nicht erst soweit kommt.

Ruth Kauer, Diabetesberaterin DDG,
Diabetologische Nephrologische Schwerpunktpraxis
Dr. med. Bertil Oser, Dr. med Eckhard Müller,
Karl Binz Weg 12 in 54470 Bernkastel-Kues

zuletzt bearbeitet: 10.11.2003, zuletzt aktualisiert: 20.06.2010 nach oben

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