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Hypo- oder Hyperglykämie, …

das ist hier die Frage

Es ist ein schöner Herbstnachmittag. Nach einem anstrengenden Tag im Büro beschließe ich, etwas früher Schluss zu machen, um noch einige Einkäufe zu erledigen. Ich marschiere zügig los und erreiche gegen 14.30 Uhr die Innenstadt. Auf dem Weg über den Marktplatz merke ich, dass etwas nicht stimmt. Irgendwie kann ich nicht mehr richtig sehen. Meine Hände zittern und ich beginne zu schwitzen.

Mit wackeligen Beinen steuere ich die nächste Bank an und taste dabei mit der einen Hand in der Jackentasche nach einem Traubenzucker. Hypo? Kann doch gar nicht sein. Ich habe doch erst um 12.30 Uhr eine Portion Nudeln mit Sauce in der Kantine gegessen. Hat mich der um diese Zeit ungewohnte Fußmarsch so aus dem Rhythmus gebracht? Habe ich mich mit den BEs verschätzt? Viele Fragen schwirren in meinem Kopf herum.

Mit der anderen Hand hole ich mein Blutzuckermessgerät aus der Handtasche und bin froh, eines mit einer Testkassette zu besitzen. Anderenfalls könnte ich die Teststreifen jetzt bestimmt mit meinen zittrigen Fingern aus der Pfütze unter der Sitzbank fischen. Während ich auf das Messergebnis warte, wickele ich ein Traubenzuckerplättchen aus. Ungläubig starre ich auf das Testergebnis - 240 mg/dl (13,3 mmol/l) - und lasse den Traubenzucker sinken.

Hatte ich doch schon etwas Traubenzucker an den Fingern? Ist das Messgerät defekt? Oder ist das wieder so eine Situation, wo mein Körper bei einer Überzuckerung - vielleicht auch bei einem schnellen Blutzuckerabfall - mit den gleichen Symptomen reagiert, wie bei einer Unterzuckerung? Das kenne ich nämlich auch. Den Unterschied merke ich nur, wenn die Symptome bei hohen Zuckerwerten relativ schnell wieder verschwinden und mir etwas später im Gegensatz zur Unterzuckerung nicht kalt wird. So wie in diesem Fall.

Ich packe meine Sachen zusammen und gehe langsam weiter in Richtung Kaufhaus, wo ich die Toiletten ansteuere. Hände waschen, etwas Wasser trinken, nochmal messen. Ergebnis: 220 mg/dl (12,2 mmol/l). Na also. Die Anspannung und die Symptome lassen rasch nach. Meinem ausgiebigen Stadtbummel steht nichts mehr im Weg. Als ich erschöpft vom Einkaufen am Abendbrottisch sitze und meinen Blutzucker messe, habe ich mit 100 mg/dl (5,5 mmol/l) einen ganz normalen Wert.

Autor: anonymous; zuletzt bearbeitet: 25.01.2012 nach oben

Susanne (Name von der Redaktion geändert) sucht Menschen mit Diabetes, die ebenfalls Probleme bei der Unterscheidung zwischen Über- und Unterzuckerung kennen, möchte aber gerne anonym bleiben. Deshalb schreiben Sie bitte an die DiabSite-Redaktion. Wir leiten Ihre E-Mail gerne an "Susanne" weiter, wenn Sie uns dies mit einem deutlichen Hinweis gestatten. Vielen Dank!

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Herzlichen Dank für die Geschichte und die freundliche Publikationsgenehmigung!

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