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Diabetes durch Zufall entdeckt

Ich heiße Sabrina und bin 1980 geboren. 1996 habe ich durch einen Zufall herausgefunden, dass ich Diabetes habe. Meine Mutter ist Typ-2-Diabetikerin und dachte, ihr Messgerät sei kaputt, weil der Wert so hoch war. Also machte ich auch einen Test, und mein Blutzucker lag bei 300 mg/dl (16,7 mmol/l)! Dann machte mein Dad noch einen Test, und der lag bei 70 mg/dl (3,9 mmol/l) - also kein defektes Gerät - leider!

Ich bin umgehend zu meinem damaligen Hausarzt gegangen. Der HbA1c-Wert lag damals - glaub ich - bei 10 %. Ich war dann zwei Wochen zur Einstellung im Krankenhaus. Die Ärzte erzählten mir immer wieder, wie gut es war, das so schnell zu "merken", was mir die Anzeichen (viel Trinken, Müdigkeit usw.) erspart hätte. Für alle war anfangs klar: 16 Jahre alt, kein Übergewicht - die kann nur Typ-1-Diabetes sein. …

Aber so war es dann doch nicht. Die Ärzte stellten fest, dass ich eine Typ-2-Diabetikerin (Alterszucker), und somit ein Sonderfall bin. Sie nannten das auch Mody! Folglich wurden Tabletten verordnet. Die ersten waren zu stark, und ich bekam andauernd Hypos; dann schwächere und schließlich ganz schwache Tabletten. Ich hab meine Ernährung auf 17,5 BE am Tag umgestellt und kein Gramm Zucker gegessen. Ganz wie es sich gehört. Ich war ein echter Bilderbuchdiabetiker und konnte einen HbA1c-Wert von 5,7 % aufweisen. Mit meiner "Krankheit" hatte ich kein Problem, weil ich es von meiner Mutter ja nicht anders kannte. Ich habe nie viel Süßes gegessen, da nie viel da war. Meine Einstellung war damals: Essen ist nur zum Überleben da, und Süßes braucht man nicht zum Überleben!

Doch dann fing ich an zu schlampern, man kann ja ab und zu mal was Süßes essen … oder wir essen eben mal gar nichts - und: Muss ich meine Tabletten jeden Tag nehmen? Ich hatte leider auch noch den falschen Arzt, der nur einen HbA1c-Wert machte, wenn ich ihn drängte. Und warum sollte ich, wenn ich doch genau wusste, dass mein Zucker bestimmt übel hoch war? (Gemessen hab ich nur selten, und nur dann, wenn ich dachte der Wert müsse gut sein … um mein Gewissen zu beruhigen.)

Auf jeden Fall bin ich irgendwann aufgewacht. In dieser Zeit hatte ich gerade mal wieder öfter gemessen - zumeist ziemlich hohe Werte. Also hab ich mal schnell einen neuen Arzt gesucht. Einen, der etwas davon versteht. Ich habe auch tatsächlich einen frisch ausgelernten Arzt gefunden, der auf einer Diabetesstation gelernt hatte. Na, wenn das nichts ist?!

Dieser Arzt hat sofort einen HbA1c von 10 % ermittelt. Uuups, mit diesem Wert wurde ich doch mal ins Krankenhaus eingeliefert … Nun ja, er hat mir erst einmal wieder stärkere Tabletten verschrieben. Dann eine zweite Sorte dazu, von denen ich Magenkrämpfe bekam. Also wurden sie durch andere ersetzt. Das ging dann auch eine Weile ganz gut, und der HbA1c sank auf 7,7 %. Noch keine Glanzleistung, aber schon besser. Der neue Arzt zwingt mich alle 3 Monate zu einem HbA1c! Und genau das brauche ich - einen, der mir sagt was ich tun muss, und mich zwingt, es auch wirklich zu tun.

Der letzte HbA1c lag bei 8,8 %. Komisch - ich war brav, habe regelmäßig getestet und meine Tabletten genommen. Also wurde ein sogenannter Argenin-Test gemacht. Daran konnte der Arzt erkennen, dass meine Insulin-Eigenproduktion in den letzten Jahren rapide nachgelassen hat. Er deutete an, auf Spritzen umsteigen zu wollen, gab mir aber vorerst wieder neue Tabletten und erhöhte die Dosis.

Das war vor einer Woche. Jetzt habe ich noch eine Woche bis zum nächsten Arzttermin. Ich muss meine Blutzuckerwerte und gegessenen BE aufschreiben (bin mittlerweile bei 12 BE am Tag). Dann wird entschieden, ob ich mit dem Spritzen beginnen muss, oder noch maximal ein Jahr damit warten kann.

Im ersten Moment ging es mir ganz schlecht. Ich dachte toll, jetzt ist alles vorbei. Dein Leben lang eine Spritze mit Dir rumtragen, immer Messen und Spritzen usw. ABER, ich kannte doch da noch einen Diabetiker der spritzt. Der hat mir erst einmal erklärt, dass es nicht mehr weh tut als das Messen. Außerdem könne ich dann mit dem Essen viel flexibler sein. Wenn ich mal eine ganze Pizza will, dann gibt's halt mehr Einheiten Insulin. (Momentan darf ich ein viertel Pizza als Hauptmahlzeit essen. Toll, oder?) Das klingt doch gar nicht so schlecht. Zwar muss ich dann häufiger messen und immer brav spritzen, aber dafür kann ich auch mal mehr oder weniger essen, und das ganz leicht ausgleichen.

Ich hoffe, dass es auch so "einfach" wird, weil - wie gesagt - ich habe noch eine Woche Zeit, mich mit dem Gedanken anzufreunden. Dann sehen wir weiter…

Allen "Süßen" wünsche ich ganz viel Glück und Durchhaltevermögen, nicht wieder zu "schlampern"!

Autor: anonym/s; zuletzt bearbeitet: 12.01.2001 nach oben

Herzlichen Dank für Ihre Diab-Story und die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung!

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