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Chez Chardenoux

Wie lernt man zwei verrückte Engländer in Paris kennen? Man reserviert einen Tisch im "Chardenoux", einem wunderschönen Jugendstilbistro mit Gauloises-gefirnter Stuckdecke. Dort wird man von der Frau des Maitre auf einer schmalen Sitzbank platziert und freundlich über die Speisekarte aufgeklärt. Vielleicht hat man nach der Vorspeise Kontakt zum Nachbartisch aufgenommen und lernt, wie wir, zwei echte englische Originale kennen: Eddy und Richard.

Beide sind schon angezählt vom Wein, der, wie sie gleich bekennen, viel besser sei als der englische. Richard, bereits in gefährlicher Schieflage, fahndet unter dem Tisch nach seinen Diabetikerutensilien. Dabei lallt er immer wieder: "I lost my wallet, Eddy!" Wie wir von dort unten erfahren, verdient er seine Pfunde als Innenarchitekt beim Großwesir von Bahrain, für den er Wandschirme und Tapisserien entwirft. Eddy findet schließlich die Brieftasche samt Insulinspritze unter Richards Allerwertestem. Der Glückliche stampft daraufhin wie ein rollender Ozeandampfer dem Abtritt entgegen, nicht ohne beim Aufstehen noch die wunderbare Ballantine's- Whiskylampe abzuräumen, die unsere Augen schon den ganzen Abend beleidigt hat. Auf dem stillen Örtchen bringt er seinen Insulinspiegel in Ordnung, um sich auf das Dessert vorzubereiten - ein Nachtisch, der dem Abend die Krone aufsetzte und uns dem Gourmetnirwana ein Stückchen näher brachte.

Dabei ist von vornherein klar: Selbst wenn wir am Ende des Menüs nur noch stöhnen - für ein paar gratinierte Himbeeren ist immer noch ein Plätzchen frei. Grund genug, eine Flasche Ausbruch in die Runde zu werfen. Wer jetzt die Nase rümpft, weil es einen total süßen Wein aus dem Burgenland geben soll, den wird schon der erste Schluck bekehren, weil eine brillante Säure den Wein auf der Zunge Quickstepp tanzen und ihn unendlich lange nachhallen lässt. Natürlich kennen wir die Stars unter den Süßweinmachern wie Feiler-Artinger und Ernst Triebaumer. Wir hegen aber auch Sympathie für Winzer in der sogenannten zweiten Reihe. Vinzenz Haider aus Ullmitz zum Beispiel, der mit einigen ansehnlichen Erfolgen aufwarten kann.

Autor: anonym/st; zuletzt bearbeitet: 03.01.2001 nach oben

So wenig diese literarische "Diabetes-Diät" zur Nachahmung empfohlen ist, so sehr ist das Buch, dem diese Geschichte entstammt, zum lesen empfohlen.
Lange/Pigott: Mit einem Schuss Wein, Hallwag, 49,80 DM.

Herzlichen Dank für Ihre Diab-Story und die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung!

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Andrea Weber

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