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Diabetologie 2025

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der DDG, Stellvertretender Direktor, Medizinische Klinik  IV, Eberhard Karls Universität Tübingen, sowie Dr. med. Nikolaus Scheper, Vorstandsvorsitzender des Berufsverbandes Niedergelassener Diabetologen e.V.  (BVND), Marl, im Rahmen einer Pressekonferenz zur 52. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) am 25. Mai 2017 in Hamburg.

Optimale Versorgung multimorbider Patienten

Circa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland haben die Diagnose Diabetes, gleichzeitig gibt es eine hohe Dunkelziffer von bis zu zwei Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes, die bislang nicht erkannt und nicht behandelt sind. Jährlich steigt die Zahl der Patienten um circa 300.000. Die Mehrzahl ist nicht nur von Diabetes betroffen, gerade die älteren Patienten haben bei Typ-2-Diabetes häufige Begleiterkrankungen (Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettstoffwechselstörungen) oder auch Folgeerkrankungen des Diabetes (Gefäßerkrankungen an den kleinen Gefäßen: vor allem Niere und Auge, Gefäßerkrankungen an den großen Gefäßen: vor allem Herzkranzgefäße, Schlagadern und hirnversorgende Gefäße sowie Nervenschäden und diabetisches Fußsyndrom). Diese große Patientenzahl wird von circa 60.000 Hausärzten und etwa 1.100 Schwerpunktpraxen mit Diabetologen ambulant betreut. Die stationäre spezialisierte Betreuung wird von etwa 165 zertifizierten Einrichtungen in Krankenhäusern geleistet.

Die Lebensqualität und Lebenserwartung der Patienten sind hierdurch oft reduziert und die Sozialkassen sind stark und zunehmend belastet. Es ist daher ein gesamtgesellschaftliches Engagement notwendig, um diese Herausforderung anzugehen und die schnelle Zunahme der Erkrankten zu stoppen. Daher hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) zusammen mit allen diabetesbezogenen Berufsverbänden und den Patientenorganisationen ein gemeinsames Strategiepapier "Diabetologie 2025" für alle gesellschaftlichen Gruppen mit den zehn wichtigsten Handlungsfeldern und damit verbundenen Forderungen und Zielen verfasst. Ziel ist es, die Diabetologie mithilfe dieser zehn Handlungsfelder so weiterzuentwickeln, dass sich Prävention, Früherkennung und die Versorgung der Patienten bis zum Jahr 2025 nachhaltig verbessert haben.

Die Mehrzahl der Schwerpunkte und Forderungen in "Diabetologie 2025“ betrifft die direkte Patientenversorgung und zielt darauf ab, besonders die Versorgung multimorbider Patienten zu verbessern:

Versorgungsstrukturen und Zertifizierungen

Die Zusammenarbeit über die Sektorengrenzen (Hausarzt - Diabetologe / Spezialist - Krankenhaus) hinweg muss verbessert werden und es müssen verbindliche Qualitätsstandards durch Harmonisierung von Zulassungen und Zertifizierungen sichergestellt werden.

Interdisziplinäre Diabetologie

Der Gesetzgeber muss helfen, die Rahmenbedingungen für eine flächendeckende, interdisziplinär strukturierte diabetologische Versorgung im ambulanten und stationären Bereich zu schaffen. Patienteninformation - Schulung und Empowerment: Selbstmanagement bei der Behandlung ist bei Diabetes eine wichtige Säule der Behandlung. Ausbau von Patientenschulung wird daher als wichtiger Baustein der Diabetestherapie gefordert. Eine Ergänzung durch Coaching- und Online-Angebote ist für bereits geschulte Patienten unverzichtbar. Neue Schulungsprogramme zum Beispiel für Diabetes-Technologie müssen nach Prüfung rasch und komplikationsfrei zugelassen werden.

Patienteninformation - Patientenperspektive

Diabetesbeauftragte auf politischer Ebene (Bund/Länder) müssen etabliert werden, um die Belange der Menschen mit Diabetes zielführender in die versorgungsrelevanten Entscheidungsgremien vermitteln zu können. Dies erfordert ein Mitwirkungs- und Stimmrecht der Patientenvertreter in diesen Gremien.

Versorgungsforschung und Register

Vorliegende Daten zu Diabetes, seinen Begleit- und Folgeerkrankungen (zum Beispiel aus den Disease-Management-Programmen [DMP]) müssen in einem bundesweiten Register zusammenzuführt werden, sodass bessere Aussagen zur Prävalenz und Versorgung des Diabetes mellitus zu treffen sind.

Digitalisierung

Für den medizinischen Einsatz digitaler Anwendungen in der Diabetologie sind verbindliche Qualitätsstandards auf Basis der evidenzbasierten Medizin zu entwickeln, die auch rechtliche und ethische Rahmenbedingungen definieren.

Primärprävention und Früherkennung

Die wenig erfolgreichen Appelle für einen gesünderen Lebensstil müssen ergänzt werden durch eine konsequente Verhältnisprävention entsprechend den Empfehlungen der WHO. Eine verbesserte Früherkennung und frühzeitige Therapie des Diabetes sind unverzichtbar.

Auch von der Umsetzung der weiteren Handlungsfelder, die vor allem die Nachwuchsförderung und die Qualifizierung der in diabetesbezogenen Berufen Tätigen betrifft, werden die Patienten profitieren. Nur unter Bündelung aller Kräfte aller beteiligten Organisationen wird eine von den Beteiligten gewünschte Versorgung auf einem guten Niveau umsetzbar sein. Dabei sollte die von einigen Protagonisten immer wieder gespielte Verharmlosung chronischer Erkrankungen wie Diabetes endlich zu Ende sein.

Im Übrigen ist uns eine gesamtgesellschaftliche Diskussion zur Versorgungsqualität wichtig, um den Menschen die Problematik der weniger werdenden Ärzte und anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen deutlich zu machen. Nur so kann die Versorgung dauerhaft verbessert werden.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

zuletzt bearbeitet: 29.05.2017 nach oben

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Andrea Weber

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