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Low carb, Paleo, vegan, Superfoods

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Hans Hauner, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin am Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, im Rahmen der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) am 9. Februar 2017 in Berlin.

Welche Diät-Trends machen schlank und gesund?

Prof. Hans Hauner Ernährungstrends sind in allen Medien heute zu einem Megathema geworden, über das ständig berichtet werden muss. Darin spiegelt sich tatsächlich wider, dass viele Menschen ein wachsendes Interesse an Ernährungsfragen haben und ihr Essen zunehmend auch unter Gesundheitsaspekten auswählen. Diese Entwicklung ist aus medizinischer Sicht prinzipiell erfreulich, zumal gerade erst eine Auswertung der "Global Burden of Disease"-Studie gezeigt hat, dass Über- und Fehlernährung der wichtigste Risikofaktor für die Krankheitslast auch in der deutschen Bevölkerung sind. Über- und Fehlernährung sind an der Entwicklung und Progression häufiger chronischer Krankheiten wie Adipositas, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs und neurodegenerativer Krankheiten maßgeblich beteiligt.

Die in den Medien verbreiteten Diät-Trends kommen aber in der Regel aus dem paramedizinischen Bereich beziehungsweise werden aus wirtschaftlichen Interessen platziert. Eine wachsende Zahl von Herstellern und Vertreibern generiert damit jährlich Milliardenumsätze. Wichtigstes Thema ist dabei das Übergewicht, das in den modernen Gesellschaften mit einem sehr negativen Image belastet ist beziehungsweise stigmatisiert wird, was den Leidensdruck vor allem beim weiblichen Geschlecht verstärkt. Seit einigen Jahren werden vor allem "low carb"- und Paleo-Diäten, vegane Ernährung und intermittierendes Fasten unter anderem auch für die Gewichtsabnahme propagiert. Die Motive der Anwender sind dabei sehr unterschiedlich und reichen von Tierschutz und Ekel vor Fleischprodukten bis hin zu esoterischen Ansichten über eine natur- und gesundheitskonforme Ernährung. Diese Trends haben nicht nur neue Geschäftsfelder geschaffen, sondern auch Forschungsaktivitäten initiiert, die sich mit akzeptierten wissenschaftlichen Methoden mit diesen Kostformen beschäftigen.

"Low carb"-Kostformen sind nicht definiert, aber eine Senkung des Kohlenhydratanteils auf 30 bis 40 Prozent der Gesamtenergieaufnahme bei gleichzeitiger Erhöhung des Fett- und Proteinverzehrs schneidet nicht schlechter ab, sondern in Einzelaspekten sogar besser als die klassischen fettarmen, kohlenhydratreichen Kostformen. Personen mit Typ-2-Diabetes könnten von „low carb“ sogar besonders profitieren.

Bei Paleodiäten handelt es sich um eine proteinreiche Kost, die auf Getreideprodukte und Milch/ Milchprodukte sowie moderne hochverarbeitete Lebensmittel weitgehend verzichtet. Auch wenn das Konzept nicht unbedingt logisch ist, sind Nährstoffzusammensetzung und Energiegehalt günstig. Es gibt inzwischen einige kleinere Studien, in denen darunter eine Verbesserung von kardiovaskulären Risikofaktoren bei Patienten mit metabolischem Syndrom beobachtet wurde, sodass diese Kost in ihren Grundzügen auch für heutigen Menschen geeignet ist.

Vegane Kost verzichtet auf alle tierischen Produkte inklusive Milch/Milchgetränke und Eier. Diese Kost ist verhältnismäßig einseitig und erfordert gute Kenntnisse und Disziplin, um den Nährstoffbedarf des Menschen zu sichern. Kritisch ist vor allem die Versorgung mit Vitamin B12 und Jod zu sehen, die sich nur über eine Supplementierung gewährleisten lässt. Die wenigen kleineren Studien mit veganer Ernährung zeigen günstige Effekte auf das Körpergewicht und assoziierte Risikofaktoren inklusive Typ-2-Diabetes.

Bei den Superfoods handelt es sich um einzelne Lebensmittel meist aus exotischen Regionen, häufig Samen, Beeren, Nüsse, denen wegen ihrer Zusammensetzung - hoher Gehalt an bestimmten Nährstoffen - eine besondere gesundheitsförderliche Wirkung zugesprochen wird. Oft sind diese Produkte mit besonderen Geschichten konnotiert wie "Schon die alten Mayas haben Chia-Samen…", so die unseriösen Werbeaussagen der Vertreiber. Am Beispiel Chia-Samen lässt sich zeigen, dass diese keine Vorteile gegenüber dem einheimischen Leinsamen haben, aber zu 5- bis 10-fach höheren Preisen verkauft werden. Wissenschaftliche Studien fehlen meist völlig oder sind wegen methodischer Mängel wertlos. In letzter Zeit wurden wiederholt gefährliche Verunreinigungen gefunden. Es ist ohnehin nicht zu erwarten, dass ein bestimmtes Lebensmittel angesichts der Komplexität der Ernährung quasi magische Heilwirkungen entfaltet. Dies kann nur als Verbrauchertäuschung bewertet werden.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Hans Hauner
Bildquelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM)

zuletzt bearbeitet: 05.03.2017 nach oben

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